Die Ereignisse überstürzen sich und rauben mir den Schlaf-Vor einiger Zeit während einer Mahnwache:

Vor einiger Zeit während einer Mahnwache:

Ich gönne mir gerade eine Pause auf einem Schaufenstersims und beobachte die vielen Menschen, die auf dem Platz vor mir ihre Plakate schwenken, als sich ein älterer Mann neben mich setzt. Ich schätze ihn auf 75.

Nach einer Weile des aufmerksamen Studiums beugt er sich zu mir und fragt: „Entschuldigung. Seid ihr eine Partei oder ein Gremium oder wem gehört ihr an, dass ihr euch alle hier trefft und demonstriert?“

Ich antworte: „Wir sind keine eigentliche Gruppierung. Hier treffen sich einfach Menschen, die den Lockdown unverhältnismässig finden und nicht einverstanden sind damit, was gerade passiert. Wir sind hier um den Bundesrat an die Demokratie zu erinnern und daran, dass wir mündige Menschen sind und ein Recht auf Selbstbestimmung haben."

Er schaut mich überrascht an, dann senkt er den Blick und schüttelt den Kopf. Ich befürchte schon Kritik und wappne mich innerlich gegen den Schmerz, der immer dann kommt, wenn mich jemand unsolidarisch nennt, obwohl ich aus Liebe für die Menschen an diesen Platz komme.

Als er endlich wieder aufsieht, ist sein Gesicht ganz weich und seine Augen schimmern feucht.

„Gott sei Dank“, sagt er leise. „Gott sei Dank. Das wurde aber auch Zeit. Ich dachte schon, niemand merkt, dass der Bundesrat zu weit gegangen ist. Diese letzten Wochen waren schlimm. Unmenschlich. Was die mit uns gemacht haben..."

Er bricht ab, schüttelt wieder den Kopf, ringt um Fassung.

Ich nicke und schweige. Es braucht keine Worte. Wir sitzen in der Sonne mitten im lauten Leben und der Tod sitzt neben uns.

Es gibt Momente, die wiegen Tonnen. Und dieses Gewicht will gefühlt, durchlebt und geteilt werden, damit es sich endlich etwas leichter anfühlt.

Schliesslich blickt der Mann nochmal versonnen auf die Menschen, auf die spielenden Kinder, auf die bunten Plakate, bevor er sich mühsam erhebt und mir zuraunt: „Nächstes Mal komm ich auch“. Er zwinkert mir zu, dann geht er langsam davon.

Ich könnte schwören, dass die Sonne plötzlich heller scheint. Verbündete erscheinen oft an den unscheinbarsten Stellen.

Und ja, Bundesrat, du hast dich schwer getäuscht: unsere Alten sind schlauer als du dachtest.

(Netzfund!-Verfasser unbekannt)


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